Ein verändertes Leben

Erlebnisberichte und mehr von Menschen aus unserer Mitte

Sonntagmorgen-Gedanken von Michael Brinker, Gustavsburg

 

Gustavsburg, 04:58 Uhr

Ein Zischen, Röhren, Pfeifen – aufgewacht.

 

„Jetzt muss ich aufstehen und das Fenster schließen, damit es leiser wird. Es ist doch Sonntag ... ich dürfte ausschlafen. Sonntag soll man sich doch erholen, um wieder fit für die Arbeitswoche zu werden, … am siebten Tage sollst du ruhen. Aber wen interessiert das … die Gerichte auf jeden Fall nicht, denn es ist alles nach Recht und Ordnung … Fluglärm ist halt was Besonderes, nicht so banal wie der Krach von Rasenmäher oder Party nebenan … warum eigentlich? Nationale Sicherheit oder lebensrettende Krankentransporte? Nein, die Flieger sehen weder militärisch aus, noch haben sie ein rotes Kreuz … stattdessen Kraniche und andere Markenzeichen. Die Gesetzemacher müssen wohl wirtschaftliche Vorteile in den Vordergrund gestellt haben … vielleicht einen gut bezahlten Job bei einem profitierenden Unternehmen.“

 

Da zischt, röhrt und pfeift es wieder. Ich stehe auf, schließe das Fenster, stecke die Ohrenstopfen rein und hoffe auf ein Wiedereinschlafen, Sonntag 05:01 Uhr.

 

Meine Heimat ist hier Hasan Keskin, Gustavsburg

 

Tagsüber kann man im Garten nicht mehr zusammen sitzen und sich anständig mit den Menschen unterhalten. Und der Lärm stresst, zum Glück haben wir das Nachtflugverbot, sonst könnten wir auch die Nacht vergessen. Menschen, die nicht selbst betroffen sind, kann man kann das nur schwer beschreiben.

 

Wenn jemand meint, ich könnte doch wegziehen, kann ich nur sagen: Ich bin ein Migrant, mein Umzug hierher war mehr als genug. Meine Heimat ist hier in Gustavsburg, meine Verwandten und Bekannten sind hier. Und wegziehen bringt ja auch nichts – man weiß ja nicht, wer als nächstes betroffen ist. Wo soll ich denn hingehen? Es ist ja keine Ende des Lärms abzusehen.

 

Im Käfig Brigitte Raab, Bischofsheim

 

Ich dachte, mit dem Nachtflugverbot wäre endlich Ruhe über Nacht. Aber schon um 4.59 Uhr brummt bei uns der erste Flieger drüber. Dann wanke ich schlaftrunken aus dem Bett und mache das Fenster zu, um vielleicht noch etwas Schlaf zu kriegen.

 

Am Wochenende bei schönem Wetter auf dem Balkon zu sitzen – das ist unmöglich. Ich kann mich nicht einmal auf's Zeitunglesen konzentrieren. Und was macht man? Man rennt rein, schmeißt die Tür hinter sich zu... und hockt im Käfig!

 

So schlimm haben wir es uns nicht vorgestellt Waltraud Schmitt, Gustavsburg


Uns war schon bewusst, dass der Flugverkehr bei uns zunehmen würde – aber so schlimm haben wir es uns nicht vorgestellt. Von wegen wegziehen – das ist doch Quatsch. Wohin denn? Wir können nicht alle in den Taunus ziehen. Und es muss ja auch bezahlt sein. Die Leute haben sich ihre Häuser toll hergerichtet – warum sollten die jetzt wegziehen?

 

Als ich gestern meinen Enkel ins Bett gebracht habe, sagte er auf einmal: Flieger! Er merkt es also auch schon, aber zum Glück wird er nicht wach davon. Bis jetzt war es meist ruhig, wenn er zu Besuch war, Gott sei Dank.

 

Rückzug in den Keller Erwin Brenner, Gustavsburg


Wir sind seit Jahren sehr übel dran mit dem Fluglärm, hauptsächlich meine Frau. Wir haben auf eigene Kosten alles dämmen und neue Fenster einbauen lassen. Das hat uns geholfen – bis zur Eröffnung der neuen Landebahn.

 

Jetzt haben wir im Keller einen Raum geopfert, ihn hergerichtet und ein Faltbett gekauft, damit wir einen Rückzugsort haben, wenn es allzu schlimm wird. Unser Haus ist etwa 80 Meter von der Lärmschutzzone entfernt, in der man etwas bezahlt bekommt. 

 

Wir werden wegziehen Rainer Kress, Gustavsburg


Wir sind 1990 in eine lebenswerte Gemeinde mit einer tollen Bürgerschaft gezogen, und wir haben uns schnell mit Gustavsburg identifiziert und uns sehr wohl gefühlt. Der Einschnitt kam am 21. Oktober 2011 mit der Eröffnung der neuen Landebahn. Insbesondere meine Frau leidet enorm unter der Beeinträchtigung durch den Fluglärm, sie hat sowieso genug Stress.

 

So geht man nicht mit Menschen um. Es ist menschenverachtend, naturverachtend. Wir werden in den nächsten Jahren hier wegziehen. Gesundheit geht vor, Fraport und Co. mögen das endlich zur Kenntnis nehmen.

 

Verluste?  von Verena B. aus Gustavsburg

 

Das Drehkreuz Frankfurt bringt ohne Zweifel für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet jetzt und in der Zukunft nur  V e r l u s t e;   z.B. Verlust von Schlaf und Gesundheit! (Lärm, Emissionen)

Die Folge ist eine Minimierung von Geist und Kraft!

Fähigkeiten, Können und Wissen wird in der Arbeitswelt und anderswo nur mit Risiko einsetzbar sein.

Die Frage/Antwort wird lauten: „Wo wohnst du, und ich sage dir was du für uns wert bist!“

Die Folge: Wegzug von gut ausgebildeten jungen Menschen.

Die Zukunft liegt woanders und die Drehkreuze werden immer mehr.

 

Wir waren eine glückliche Familie ...
Wir waren eine glückliche Familie ...
Ein offener Brief von Silke B. aus Flörsheim

Sehr geehrte Damen und Herren,
unsere Familie lebt schon seit mehreren Generationen in Flörsheim, wir haben zwei kleine Kinder im Alter von 5 und 7. Meine Eltern wohnen zwei Straßen weiter, mein Bruder und die Schwester meines Mannes nicht viel weiter entfernt. Hier leben unsere Großeltern, alle unsere Freunde.
Am 21. Oktober ist meine Heimat und die meiner Vorfahren und Freunde zerstört worden.
Mit der Eröffnung der Nordwestlandebahn und dem unerträglichen zerstörerischen Lärm. ich habe viel geweint seitdem.
Geweint, als mein Sohn vor einigen Wochen seinen Kindergeburtstag unter höllischem Lärm feiern musste,
geweint, als meine Oma vorgestern beerdigt wurde und auf dem Friedhof nicht einmal in der Trauerhalle ein stilles Gedenken möglich war, geweint eben gerade, nach einem furchtbaren Tag und einem schrecklichen Abend mit Fliegern im Minutentakt bis zum Ende um 23 Uhr ohne Pause. Wir können nicht mehr! Wir sind am Ende.
Der große Teil der Betroffenen sind die jungen Familien mit Kindern, die sich hier eine Existenz aufgebaut haben - und damit meine ich nicht nur Eigentum. Ich finde es überhaupt schlimm, das nur auf Eigentum zu reduzieren. Es geht hier vor allen Dingen um soziale Kontakte, Familie, Freunde, Heimat....das alles ist überhaupt nicht zu bezahlen mit dem Geld.

Wir sind nicht gegen den Flughafen, aber Expansion um jeden Preis, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne sich darum zu scheren, dass hier Menschen kaputt gehen, krank werden, verrückt vor Angst. Nein, das darf es in unserer Demokratie nicht geben! Wenn die Fraport die Grenzen des eigenen Wachstums, nicht erkennt, muss die Regierung das Unternehmen in seine Grenzen weisen. Sie MÜSSEN sich um uns kümmern.

 

Wir waren eine glückliche Familie und fröhliche Menschen. Meine Jungs lieben es, draußen zu sein, wir sind so gern in unserem Garten. Bei warmem Wetter wollen wir im Freien spielen und uns entspannen.

ES IST UNMÖGLICH. DAS DARF NICHT SEIN. ES iST UNRECHT! FOLTER! WIE IM KRIEG!

 

Die Fluglärmopfer haben ein Gesicht: WIR SIND RECHTSCHAFFENE BÜRGER!

 

ICH FRAGE SIE: SCHÄMEN SIE SICH NICHT, UNS SO ALLEINE ZU LASSEN?